Vom „Ich mach‘ Dich lernen“ zum ,, Wie lerne ich?“

Der größte Irrtum der Weiterbildungsindustrie besteht darin, Angebote für Andere zu erstellen, die man selbst nicht nutzt.
Ich kenne wenig Weiterbildner, die selbst regelmäßig Seminare besuchen (auch nicht im eigenen Fachgebiet) und noch viel weniger eLearning Anbieter, die selbst auf dieseArt lernen. Und beinahe keiner ist selbst noch in dem Fachgebiet tätig, das vermittelt wird.
Kurz gesagt: Wir Weiterbildner vermitteln Inhalte, die wir bestenfalls aus einer Vergangenheit kennen auf eine Art, die wir selbst nicht zum Lernen nutzen würden.

Wenn man auf der anderen Seite Teilnehmer und Nutzer befragt, für wie hilfreich sie die erlittenen Online / Offline Maßnahmen halten, so hört man häufig: „Naja, geht so.“

Ergebnis für Weiterbildner: „Da müssen die Anderen sich aber einmal gewaltig ändern!“ Lernkulturwandel nennt sich das in der Weiterbildung. Ich nenne es hoffen auf eine andere Welt. Eine Welt in der sich alles um die Weiterbildung dreht und nicht um das Leben da draußen. Eine Schulwelt – keine Lebenswelt.

Das geht auch anders. Erfolgreiche Menschen (im Leben erfolgreich, nicht in der Schule erfolgreich) geben im Durchschnitt 5%-10% Ihres Netto-Einkommens für die persönliche Weiterentwicklung und Weiterbildung aus. Für Bücher, Hörbücher, Videos und auch Präsenzveranstaltungen oder gelegentlich auch für eLearning. Allerdings immer mit einem sehr konkreten, persönlichen Ziel. Sie wollen eine Kompetenzlücke schließen, ein Wissensdefizit auffüllen, eine Frage beantworten oder ihre Neugier stillen. Den Wert der gewählten Lernform bemessen sie am Grad der Zielerreichung.

Dieses Modell ist auch für uns als Weiterbildner hervorragend geeignet, denn wir sollten zunächst auch Meisterlerner sein, also selbst gerne lernen und die persönliche Weiterentwicklung aktiv und dauerhaft voranbringen. Als Weiterbildner sollte das Leben außerhalb der persönlichen Komfortzone, das Lernen und Wachen an unseren Aufgaben der Alltag sein. Wir sollten uns dabei täglich fragen:

  • Welche Kompetenzen habe ich und welche fehlen mir noch? Wo kann ich Besser werden?
  • Wie werde ich Top Experte oder bleibe unter den Besten meines Fachgebiets?
  • Wie kann ich regelmäßig weitere, neue Erfahrungen in meinem Fachgebiet sammeln?
  • Wie lerne ich selbst am Besten? Welche Medien nutze ich persönlich am liebsten für mein eigenes Lernen ?
  • Wie kann ich in der Kompetenzvermittlung mit genau diesen Medien hervorragend werden?

Denn nur so ist sicherstellt, dass ich als Dienstleister für meine Lerner für die bestmögliche Lernerfahrung sorgen kann – egal in welchem Medium.

Daraus wird ein reichhaltiges, glaubwürdiges, authentisches Lerninhalte-Portfolio entstehen, das genau die Lerner anspricht, die ähnlich lernen und damit am meisten aus meinen Leistungsversprechen mitnehmen. Diese erreichen ihre persönlichen Ziele damit am Besten.

Teilen

Lerntagebuch – Der eigene Coach

Die Herausforderung beim Erlernen neuer Kompetenzen ist nicht das Lernen selbst, sondern das Umsetzen und Integrieren in den eigenen Alltag. Wer war nicht schon auf einem spannenden Seminar oder Workshop, hat ein inspirierendes Buch gelesen oder ein sehr hilfreiches Video oder Audiobook genossen. Am Ende hat man viele tolle Vorsätze – bis man wieder vom Alltag eingeholt wird und das Neue verloren geht.

Abhilfe schafft hier ein Lerntagebuch. Am besten ein elektronisches, das sowohl auf dem Computer als auch auf dem Smartphone und Tablet verfügbar ist. Ich persönlich nutze Evernote, es geht aber auch mit OneNote oder anderen Notiz-Apps, die auf allen genutzten Geräten verfügbar sind.
Wichtig ist nur, dass ich einzelne Notizen mit dem Handlungsziel als Titel anlegen kann, Texte sowie Listen und Checklisten erstellen kann und Überschriften formatiert werden können.

Und so geht’s:
Ich frage mich vor dem Lernen:

  • Was will ich damit ereichen?
  • Was will ich anders oder besser machen?
  • Woran werde ich erkennen, dass es funktioniert hat?
  • Was ist meine Belohung ? Was habe ich davon, diese Ziele zu erreichen?
  • Welche Vor- und Nachteile habe ich, wenn ich die Ziele nicht erreiche, wenn alles so bleibt wie es ist?
  • In 5-10 Jahren: Wie wird mein Leben sein, wenn ich die Lernziele erreiche und wie, wenn ich sie nicht erreiche?
  • Lohnt sich der Aufwand wirklich für mich?

Die Antworten schreibe ich bereits vor dem Lernbeginn in meine Notiz als „Meine Lernziele“. Die wichtigsten Erkenntnisse und meine Notizen zum jeweiligen Lerninhalt schreibe ich Während des Lernens in diese  Notiz.

Am Ende nehme ich mir 1 bis 3 Dinge vor, die ich konsequent und täglich anders machen werde. Die gehen in meine Notiz ,, Selbstcoaching -Tagesplanung“. Die Liste führe ich täglich fort und sie hat immer die gleichen Rubriken:

  1. Mein Tagesziel: Ein bis maximal drei Dinge, die ich am Ende des Tages unbedingt erreicht haben will.
  2. Meine 1 Mio. € Aufgabe: Die wichtigste und wertvollste Aufgabe, um meine Ziele zu erreichen ( geht zurück auf die Legende eines Beraters des Stahlmagnaten Carnegy, bekannt als der Million Dollar Tip)
  3. Mein Frosch: Die unangenehmste Tagesaufgabe, die ich schnellstmöglich hinter mir habe will (Mehr Info dazu gibt es in dem Buch ,, Eat that Frog“)
  4. Meine Top Aufgaben: Maximal 5 Aufgaben, die ich bis Ende des Tages erledigt haben will.
  5. Lessons Learned: Am Ende des Tages notiere ich mir meine Erfolge, das, was gut funktioniert hat und was ich erreicht habe und die Punkte, die nicht optimal Waren. Ich frage mich:  Was hat mich daran gehindert auch diese Punkte gut zu machen ? Was lerne ich daraus für mich ? Was mache ich morgen besser?

In diesen Zielen müssen sich nicht nur meine Lernziele wiederfinden, ich nutze es für meine beruflichen Themen insgesamt. Aber um meine persönlichen Lernziele umzusetzen ist es ein sehr effektives Werkzeug.

Sobald die Lernziele Teil meiner täglichen Routine sind ca. 4-6 Wochen) nehme ich sie aus dem Selbstcoaching und habe wieder Platz für neue Änderungen und Lernziele.

Achtung: Veränderung dauert seine Zeit. Diese Methode hilft nicht, sich schneller zu ändern, denn das dauert so lange wie es eben dauert. Die Methode hilft, die dauerhafte Veränderung überhaupt zu schaffen, da der Fokus so lange auf den aktuellen Zielen und Aufgaben zu haben und Neues auszublenden, bis aus dem Wissen ein Tun geworden ist.

Viel Spaß beim Testen!

Ich freue mich auf Feedback und Fragen zur Methode.

Teilen

So lernen wir wirklich

Aus Sicht eines normalen Lerners aus gesehen – also aus unserer ganz persönlichen Perspektive – gibt es nur zwei Arten des Lernens:

  1. Selbstgesteuertes Lernen: Ich eigne mir selbst etwas Neues an
  2. Kooperatives Lernen: Ich lerne mit und durch Andere

Das Gute ist: Lehrmeister kommen hier nicht vor. Lernen findet seit den Anfängen der Menschheit meist im realen Leben statt. Ich benötige also keinen Lehrer, ich kann mich selbst jederzeit weiterentwickeln – wenn ich das will oder wenn es nötig ist. Schon Konfuzius sagte dazu:

Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

Lernen ist hier niemals ein Selbstzweck, es geht meist darum, etwas können zu müssen oder zu wollen – die ist unsere Lernmotivation, der Grund, warum wir Lernen. Lernerfolg hängt fast immer damit zusammen, wie sehr wir etwas Können oder erreichen wollen. Je klarer wir wissen, warum die jeweiligen Lernschritte wichtig für uns sind und je konkreter wir sie als Priorität in unseren Tag einbauen, desto erfolgreicher werden wir das Gelernte anwenden können.

Der Nachteil des rein selbstgesteuerten Lernens liegt jedoch auf der Hand: Ich verfüge immer nur über meine eigene Perspektive, mein eigenes Denken, Interpretieren und Handeln und das muss nicht immer hilfreich sein für das Lernziel.

Diesen Nachteil kann ich durch den Austausch mit anderen Menschen ausgleichen. Durch Kommunikation mit anderen kann ich Wissensdefizite oder blinde Flecken in meinem Denken finden, ich kann Tipps und Tricks erhalten, wie ich schneller zum Ziel gelange oder auch erfolgreiche Mitmenschen nachahmen. Im Kooperativen Lernen werden gemeinsam mehr Lösungswege, mehr Hypothesen und mehr Ideen generiert. Lernen und Austausch helfen bei einem tieferen Verständnis.

Dennoch kommt in beiden Fällen Experten oder „Lehrende“ nicht zwingend vor. Sie sind aber eine Möglichkeit, persönlich eine Abkürzung zu nehmen, indem ich ein Vorbild nutze, um durch Nachahmen zu lernen oder im Dialog besser zu verstehen, worauf es ankommt. Die Rollenverteilung zwischen Lernenden und Lehrenden ist jedoch die eines Fragenden und eines Antwortgebers und weniger die Zwischen einem Hilfsbedürftigen und einem Wissens-Spender.

Praxis-Tipp

  • Setzen Sie Ihre persönlichen Lernziele immer selbst und überlegen Sie sich, wozu Sie den Lerninhalt benötigen und warum Ihnen das so wichtig ist.
  • Teilen Sie sich selbst die Lernziele in Zwischenschritte, kleine Etappen.
  • Nehmen Sie sich jeweils nur ein Lernziel vor, an dem Sie arbeiten – bis Sie es erreicht haben, dann kommt das nächste.
  • Nutzen Sie Ihr Umfeld für Fragen, Feedback, Tipps, Tricks und Hilfen. Lernen Sie einzelne Etappen gemeinsam mit  anderen und tauschen Sie sich aus.
  • Suchen Sie Coaches, Mentoren oder Trainer, das sind Menschen, die das, was Sie vorhaben bereits in einem ähnlichen Kontext erfolgreich umgesetzt haben.

Mehr im Artikel Formen des TeleLernens

Teilen

Lernformen kategorisieren

Nach wie vor gibt es keine einheitliche Kategorisierung der verschiedenen Lernformen. Es herrscht eine babylonische Vielfalt von Begriffen zur Beschreibung der angebotenen Formate. Und es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht eine weitere „neue“ Form hinzugefügt wird.

Aus Nutzersicht – das sind die Lerner – kann aber dennoch eine entsprechende Struktur dargestellt werden. Wenn Lernen mit Medien stattfindet, beinhaltet das alle visuellen, auditiven und audiovisuellen Mittel zur Realisierung und
Unterstützung privater und öffentlicher Kommunikation.

Medien sind dabei im Prinzip lediglich die Transportmittel des Wissens – egal ob im Internet oder in der realen Welt.

Medien können in folgende drei Medienkategorien unterteilt werden:

  1. Medium: Das technische Vehikel, die Objekte, technischen Geräte oder Konfigurationen zum Transport der Informationen – die „Hardware“
  2. Codalität: Die Codes oder Symbolsysteme der Kommunikation und Information, also Text, Grafik, Foto, Video etc.
  3. Modalität: Die Sinnesmodalität, mit der die Inhalte aufgenommen werden, also mit den Augen (visuell), mit den Ohren (auditiv), oder durch tun und anfassen (kinesthätisch). Durch Geruch und Geschmack kommt seltener vor, kann aber auch wichtig sein.

Auch die Art, wie das Wissen kommuniziert wird, kann in Kommunikationskategorien gefasst werden:

Sie kann gleichzeitig und zeitversetzt stattfinden und zwischen Einzelpersonen oder mehreren. Insgesamt ergeben sich dabei folgende Kombinationen:

Art Beteiligte synchron asynchron
Einweg 1:x Vorträge, Vorlesungen, Trainings, Live Shows, Interviews vor “Zuschauern”, Webinare Texte, Video, Audio-Books, Podcasts, Programme, Datenbanken
Zweiweg 1:1 Coaching, Privatgespräche, “Chat” über Computer, Telefonate Briefe, E-Mail
y:z Besprechungen, Meetings, Chat-Gruppen Pinwände, E-Mail-Foren, News-Gruppen

 

Mehr im Artikel: LERNEN UND LEHREN MIT TELEMEDIEN

Teilen

Effektive Kommunikation in der Wisssensvermittlung

Eine der wichtigsten Komponenten im geführten Lehr- und Lernprozess – egal ob Präsenz oder Online, ob synchron oder asynchron – ist die Kommunikation zwischen Lehrendem und Lernenden. Doch was macht eine effektive Kommunikation aus?
Folgende Grafik stellt die 7-wichtigsten Punkte einer effektiven Kommunikation sehr gelungen dar:
http://mrkirsch.edublogs.org/2015/02/25/a-beautiful-visual-featuring-the-7-cs-of-effective-communication/

Teilen

Lernen ist Veränderung

Im Unterschied zum Aneignen von Wissen, das wir alle sehr gut können bedeutet Lernen auch persönliches Wachstum. Bei uns gibt es viele „Wissensriesen“ die dennoch „Umsetzungszwerge“ sind. Wissen aneignen ist einfach. Man kann in seinem persönlichen Elfenbeinturm sitzen bleiben, sammelt Informationen aus zweiter Hand und muss sich nicht verändern.

Diese sehr akademische und realitäts- bzw. weltfremde Tätigkeit führt zu vielen Menschen, die genau wissen, wie es denn ginge, wenn man es täte. Dies betrifft auch unsere Ausbildungsbaschlüsse: Auch hier steht das theoretische Anhäufen von Wissen alleine da – ohne echtes erleben.  Im Prinzip wie Fußballzuschauer, die ja auch alle die besseren Spieler oder Trainer werden.

Echtes Lernen jedoch ist mehr. Es hat zu tun mit Erleben, Erfahren, Unsicherheit, Ungewohntem – Neuem – Persönlichkeitsverändernden. Menschen, die wachsen und sich verändern müssen diese Veränderungen annehmen.

Ein tolles Video hierzu beschreibt, was Lernen wirklich ausmacht.

Es geht hier nicht darum, dass das Ansammeln von Wissen falsch ist. Den Unterschied macht die Reihenfolge: Jemand der wirklich lebt, sein Leben erlebt und Neues erfährt, das die Person verändert kann und soll natürlich reflektieren über das Erlebte und gerne auch in einer Theorie zusammenfassen. Aber umgekehrt – das eigene Leben auf eine Theorie aufbauen, die nie erlebt wird führt nicht wirklich weiter und endet im berühmten Theorie-Praxis-Problem. Dieses Problem kennt übrigens nur die Theorie, die Praxis kennt dieses Problem nicht.

Teilen

Lebenslang Lernen

Leben und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden: Um unser Leben zu meistern, müssen wir sehr viel neues und anderes lernen und uns verändern. Lernen ist jedoch kein Selbstzweck: Lernen um des Lernens willen ist zeitverschwendung. Lernen kann und sollte immer Auswirkungen auf unser Leben haben.

Während in den lezten Jahrzehnten die ganze Welt mehrmals auf den Kopf gestellt wurde und das einzig Stabile die Veränderung war, hat sich Lehren und Lernen kaum verändert. Die Pädagogik ist immer noch die, die es schon seit vielen Jahrhunderten gibt. Schon Seneca beklagte vor über 2.000 Jahren:

Non vitae, sed scholae discimus (Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir)“. Interessanterweise wurde seither nicht die Pädagogik geändert, sondern nur das Zitat umgedreht („Nicht für die Schule lernen wir, sonder für das Leben“).

Ansonsten blieb alles gleich: Nur mit ein paar neuen Medienspielzeugen.

Es wird also mehr als Zeit, auch den Bereich der Wissensvermittlung zu modernisieren. Auf diesen Seiten sammle ich die Fragmente und Erfahrungen aus der Praxis, um zu sehen, ob die einzelnen Puzzlestücke vielleich ein moderneres Modell der Weiterbildung ergeben.

Der Fokus liegt hierbei auf dem außerschulischen Lernen und der Kompetenzentwicklung, da dies die Welt ist, in der ich mich bewege und auskenne. Leben & Lernen ist die Kombination aus verschiedenen Lebensfelder sowie die Sammlung von Erfahrungen. Ziel ist es, weg zu kommen vom deduktiven deduzieren aus dem Elfenbeinturm hin zu einem induktiven reflektieren der Welt, um gemeinsam ein neues Verständnis für Lehren und Lernen zu gewinnen: Sowohl was die Methodik als auch die Inhalte angeht.

Teilen

Lean Startups und was wir davon lernen können

Jede Unternehmensgründung hat auch mit der Entwicklung und dem Angebot eines Produktes zu tun. Wie bereits früher beschrieben interessiere ich mich vor allem für den Aufbau von Organisationen in unsicherem Umfeld und unbekannten Terrain.

Im Unterschied zu Märkten, in denen die Regeln und Spieler und Ergebnisse bekannt sind, gibt es hier mehr Fragen als Antworten. Ein Startup in diesem Umfeld entwickelt immer etwas Neues in einem veränderten oder neuen Markt. Hier habe ich immer zwei Möglichkeiten, die Umsetzung anzugehen. Entweder gehe ich von mir als Musterkunde aus und entwickle das, was mir wichtig ist und gefällt in der Annahme, dass ich als Prototyp-Kunde für viele andere stehe oder ich gehe davon aus, dass ich den Kunden noch nicht kenne. Lean Startup konzentriert sich auf den zweiten Fall.

Eric Ries, einer der Erfinder dieser Methode sagte einmal sehr schön, dass wir heutzutage im Prinzip jedes Problem jederzeit lösen können. Die Frage ist damit also viel mehr: Ist das Problem, das wir lösen wollen es auch wert gelöst zu werden. Dies bedeutet auch: Sind Menschen bereit, für eine Lösung Ihres Problems auch Geld auszugeben.

Mit dieser Frage ändert sich die Ausrichtung eines Startups nahezu vollständig. Es geht nicht darum, gute Produkte mit tollen Funktionen zu entwickeln und anzubieten, es geht in erster Linie darum, den Kunden zuzuhören, sie zu verstehen und daraus eine Lösung zu entwickeln.  Schon Einstein  wird zitiert mit dem Satz: „Wenn man mir eine Stunde Zeit geben würden, ein Problem zu lösen, von dem mein Leben abhängt, würde ich 40 Minuten dazu verwenden, es zu studieren, 15 Minuten dazu, Lösungsmöglichkeiten zu prüfen, und 5 Minuten, um es zu lösen.“

Und genau hier setzt die Denkweise des Customer Developments bzw. des Lean Startups an. Es geht nicht darum, tolle Produkte zu entwickeln, sondern zunächst vor allem darum, sich ausreichend Zeit zu nehmen, die Kunden und ihre Probleme zu verstehen. Durch Befragungen, Interviews, Gespräche: Unsere wichtigste Frage lautet: „Welches Problem hast Du wirklich – lieber Kunde?“ Hier greifen alle Methoden der Sozialwissenschaften, von der qualitativen Befragung und Auswertung der offenen Antworten, um die Struktur des Problems zu verstehen bis hin zu quantitativen Erhebung um ein Gefühl für die Menge der Menschen oder Organisationen mit ähnlichem Problem und der Dringlichkeit, mit der sie eine Lösung erwarten, zu ermitteln. Das Schwierigste hierbei ist es, die eigenen Vorannahmen und Erfahrungen beiseite zu lassen und sich wirklich offen auf die Antworten der Kunden einzulassen.

Mit dieser Methode haben wir zum Jahresanfang begonnen, unsere bereits bestehenden und fertig entwickelten Produkte zu überprüfen. Klar war: Alle Entwicklungen und Bestandteile die wir haben können auf einfache Weise so kombiniert werden, dass die Probleme unserer Kunden gelöst werden können. Für das Feintuning ging es aber in erster Linie darum, das Problem besser zu verstehen. Also entwickelten wir strukturierte Probleminterviews für unsere Kunden. Diese wurden teils als Telefoninterviews, teils im Rahmen von Vor-Ort Treffen und teilweise (auch wenn es im schlimmsten Fall eine Verzerrung der Antworten gibt) als Fragen in Vertriebsgesprächen. Die offenen Antworten der Kunden und Kontakte zu den einzelnen Fragen wurden dokumentiert und anschließend strukturiert. Das Ergebnis war überraschend und extrem hilfreich. An vielen Stellen zeigte sich, dass wir das eigentliche Problem der Kunden bereits mit unserem kostenlosen Angebot gelöst hatten. An anderen Stellen ließen wir – durch die Bausteinstruktur – unsere Kunden mit der Fertigstellung der Lösungen allein. Und es zeigten sich Cluster von Problemen und Kunden – ein guter Ansatz für die Vermarktung und den Vertrieb.

Das Knifflige dabei ist dann aber: Die Kunden kennen die Lösung natürlich nicht, sonst gäbe es ja schon eine Angebot am Markt. Henry Ford sagte einmal:  Wenn ich die Menschen  gefragt hätte, was sie wollen, dann hätten sie geantwortet: „Schnellere Pferde“ und nicht „Autos“. Und auch Einstein bemerkte hierzu ganz lapidar: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“. Es war also nicht hilfreich, darauf zu vertrauen, dass diejenigen mit dem Problem auch in der Lage waren, die Lösung zu sehen, und unsere Angebote als Werkzeuge zu nutzen, um die Lösung herbeizuführen.

Im  Ergebnis begannen wir, unsere Produkte als Lösungen für verschiedene, sehr spezifische Probleme zusammenzustellen und auch einige Weiterentwicklungen voranzutreiben, die ein konkretes Kundenproblem adressieren.

Schon nach kurzer Zeit zeigte sich in der Anzahl der konkreten Anfragen und Vertriebsgesprächen zu den neuen, lösungsorientierten Produkten der Erfolg des neuen Vorgehens.

Der Hinweis „Get out of the building“, der im Lean Startup Umfeld so häufig zitiert wird, ist also wirklich ein bedeutender Schlüssel zum strukturierten Unternehmensaufbau mit neuen Produkten. Anders formuliert kennt man die Aussage schon lange mit dem Satz „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ – eine Weisheit, die wir in der Produktentwicklung sehr häufig vergessen.

Was wir für unser Lernen daraus lernen können

Auch für die persönliche Weiterentwicklung ist diese Methode hervorragend geeignet. Wichtig ist, sich zunächst ein persönliches Lernziel oder besser: Ein Kompetenz- oder Handlungsziel zu setzen. Den Unterschied macht der folgende Schritt: Wir suchen uns im eigenen Umfeld eine Person, die bereits das kann, was wir lernen wollen. Diese Person kann uns sehr gut beschreiben, wie sie selbst zu dieser Kompetenz kam, was sie gelernt oder getan hat, welche Fehler dabei gemacht wurden, welche Schritte sinnvoll sind.

Erst dann beginnt der erste Lernschritt: Ein Teilziel erreichen und prüfen, ob es uns näher an unser Ziel gebracht hat und was wir noch anpassen oder ändern sollten.

Teilen

Agilität, Anti-Fragilität und Lernende Organisationen

Nicht nur der Aufbau eines Unternehmens ist unsicher. Eigentlich ist unser gesamtes modernes Leben geprägt von Unsicherheit. Was gestern noch richtig war, muss heute nicht mehr unbedingt gelten oder gar funktionieren. Die Welt ist nicht vorhersagbar und auch nicht einfach so planbar. Vieles entwickelt sich schneller,  globaler und unvorhersagbarer und ist auch schneller wieder verschwunden. Das ,, survival of the fittest“ – also das Überleben der am Besten an die Situation angepassten – ist die neue Herausforderung: Lernen und erleben ist der Schlüssel.

Ich habe in den späten 90’ern die Modelle und Methoden der „Lernenden Organisation“  von Peter Serge kennen lernen dürfen und sie in Rahmen eines EU-Projektes als Coach für mittelständische Unternehmen angewandt und den Unternehmen vermittelt. Danach lag das Thema lange brach. Auch die Prinzipien des Lean-Management blieb träges Wissen.

Mit der Gründung der eLearning AG und allem was es bei einem Startup zu entdecken und zu lernen gibt, beschäftigen mich 2 Themenbereiche außerordentlich: Agile Prozesse und Lean Startup (Eric Ries). In beiden Fällen handele es sich um Denkmodelle, in denen das schnelle erzielen von brauchbaren Resultaten und vor allen das Testen in der Realität im Vordergrund steht.

Es geht nicht um den großen Wurf, die Mega-Planung oder das Riesenprojekt sondern um das Lernen und Erfahrung sammeln in kleinen aber Überprüfbaren Schritten. Während meiner Zeit in einem Konzern stellte ich fest, dass es nicht darum geht, dass die Großen die Kleinen fressen oder die Schnellen die Langsamen. Es geht darum, wer die meisten Experimente und Fehler machen kann und das, was nicht funktioniert so lange eliminieren kann, bis nur noch das übrig ist, was funktioniert.

Ein herausragendes Buch zu diesem Thema ist „Antifragilität“ oder „Narren des Zufalls“ von Nassim Taleb. In beiden Büchern zeigt sich , wie häufig Ereignisse zufallsbestimmt sind, wie blind wir gegenüber den Zufall sind und wie man gegenüber den Zufall resistenter wird.

Alles zusammen genommen hilft es, ein klares Ziel zu haben und sich in kleinen Schritten und überprüfbaren Experimenten, dem validierten Lernen, anzunähern. Als Unternehmer hat man also die Aufgabe, genügend Zeit und Ressourcen zu beschaffen, um viele Runden Experimente und validiertes Lernen zu ermöglichen und gleichzeitig einen Rahmen zu schaffen, in dem dieses experimentieren, Fehler machen und vor allen das daraus lernen möglich ist und belohnt wird.

Dies gilt aber auch für die persönliche Weiterentwicklung, das persönliche Lernen. Allerdings mit dem enormen Vorteil, dass der Zeitdruck nicht so stark ist, wie beim Aufbau eines Unternehmens. Es gilt, sich selbst klare, persönliche Entwicklungsziele zu setzen, diese in Lernschritte oder Zwischenziele zu unterteilen und dann mit dem ersten Lernschritt zu beginnen. Es geht nicht darum, perfekt zu lernen, es geht darum, mit dem Lernen zu beginnen und sich dann zu fragen:

  • Bin ich meinem Ziel näher gekommen?
  • Was hat mir dabei geholfen?
  • Was hat mich daran gehindert?
  • Welcher nächste Lernschritt ist der vielversprechendste?
Teilen

Unternehmer unternehmen und lernen

Unternehmer sind für mich ganz schlicht und einfach Menschen, die etwas unternehmen. Menschen, die Initiative zeigen, sich kümmern, etwas aufbauen, was es vorher so noch nicht gab. Ihre Unternehmungen finden in den verschiedensten Lebensbereichen statt: In der eigenen Familie, in der Freizeit, in Vereinen oder auch in gemeinnützigen oder wirtschaftlichen Organisationen, überall gibt es Unternehmer. Egal ob wir diese Menschen „Aktive“, „Menschen, die Initiative zeigen“, „Entrepreneure“ oder „Unternehmer“ nennen – sie alle wollen etwas bewegen, verändern und gestalten. Und alle beginnen auf der grünen Wiese , oder besser gesagt: Sie suchen sich ihre Ecke auf diesem Globus, legen fest , dass es ihre Wiese ist und dass sie sicherlich grün ist oder wird. Der Rest ist eine lange Reise mit ungewissen Ausgang. Da ich wohl auch zu diesen Typ Mensch gehöre, interessiert mich das Thema natürlich besonders. In den letzten Jahren haben sehr viele erfolgreiche Unternehmer Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt und aufgeschrieben.

Eine Erkenntnis ist allen gemeinsam: Nur wenige sind als Unternehmer geboren. Für die meisten Unternehmensgründer ist es eine Reise, auf der sie sehr vieles sehr schnell lernen müssen, um nicht unterzugehen. Wer die Welt verändern will, beginnt immer zuerst bei sich – Das „Unternehmen Ich“ ist eine Sichtweise, die uns alle am lebenslangen Lernen hält.

Teilen